Schadensbild
Die Fotos zeigen ausgeprägte Korrosionsschäden und Betonabplatzungen im Fußbereich einer Stahlbetonstütze einer Tiefgarage (Schadenszone ca. 20–25 cm über Bodenoberkante). Erkennbar sind großflächige Betonabplatzungen, freigelegte und stark korrodierte Bewehrungseisen sowie tiefgreifende Rissbildung im Beton. Die orange-braune Verfärbung ist typisch für fortgeschrittene chloridinduzierte Korrosion der Bewehrung.
Ursachen
Die Schäden sind klassisch auf eindringende Feuchtigkeit im Stützenbereich zurückzuführen – begünstigt durch die Lage im Bodenbereich (z. B. Tiefgarage, Parkdeck). Chloride aus Tausalz oder Spritzwasser dringen in den Beton ein und neutralisieren den alkalischen Schutzfilm des Bewehrungsstahls – einen natürlichen Schutz, den der stark alkalische Beton um den Stahl herum aufbaut und der bei intakter Betondeckung zuverlässig vor Korrosion schützt.
Zusätzlich begünstigt wird dieser Prozess durch mangelhafte Betondeckung im Stützenfußbereich, die in der Praxis häufig vorkommt. Ursache ist meist ein Zusammenspiel mehrerer Ausführungsfehler: Abstandhalter werden nicht korrekt durch die Schalung geführt oder verrutschen beim Betonieren, sodass das erforderliche Mindestmaß der Betondeckung (c,nom) unterschritten wird. Hinzu kommen eine zu große Betonierhöhe beim Einbau – der Beton ist lagenweise einzubringen und darf dabei eine Lagenhöhe von 1,00 m nicht überschreiten, da es sonst zur Entmischung kommt – sowie unzureichende Verdichtung und eine falsche Betonkonsistenz. Diese Einflüsse führen dazu das der Beton porös und verkürzt Chloriden den Weg zur Bewehrung erheblich.
Ein weiterer wesentlicher Schadensfaktor ist die fehlende oder unzureichende Abdichtung im Einbindepunkt der Stütze sowie im angrenzenden Spritzwasserbereich. An der Übergangsstelle zwischen Stütze und Bodenplatte konzentriert sich eindringendes Wasser – und kann dort dauerhaft anstehen und tief in den Stützenfußbereich eindringen.
Infolge der Korrosion kommt es zu einer Querschnittsreduzierung des Bewehrungsstahls, wodurch die Tragfähigkeit der Stütze erheblich beeinträchtigt wird. Gleichzeitig dehnt sich der korrodierende Stahl aus und sprengt die Betondeckung ab – ein sich selbst beschleunigender Schadensprozess.
Instandsetzungsmaßnahmen
Grober Ablauf einer Instandsetzung nach RiLi-SIB / EN 1504
Der nachfolgende Ablauf dient lediglich als grober Fahrplan. Der tatsächliche Instandsetzungsumfang ist stets im Einzelfall durch einen Sachverständigen zu prüfen und festzulegen.
1. Schadensdiagnose: Karbonatisierungstiefe & Chloridgehalt messen, Bewehrung orten, Schadensumfang dokumentieren
2. Untergrundvorbereitung: Losen und geschädigten Beton abtragen (mind. 2 cm hinter die Bewehrung), gesamten nicht mehr tragfähigen Beton entfernen
3. Bewehrungsbehandlung: Rost mechanisch mit einer Nadelpistole oder durch Strahlen entfernen (Sa 2,5), Korrosionsschutzmittel (Zementschlämme oder Epoxidharz) auftragen
4. Prüfung auf Querschnittsminderung der Bewehrung: Weist die freigelegte Bewehrung eine Querschnittsminderung durch Korrosion auf, ist dies zwingend durch einen Statiker zu prüfen. Abhängig vom Ausmaß des Materialverlustes muss beurteilt werden, ob die verbleibende Bewehrung noch ausreichend tragfähig ist oder ob eine Verstärkung der Bewehrung (z. B. durch Ergänzungsstäbe oder andere Verstärkungsmaßnahmen) erforderlich wird. Dieser Schritt ist vor der Reprofilierung abzuschließen.
5. Reprofilierung: Schichtweiser Auftrag von PCC-Mörtel (Polymer-Zement-Beton) entsprechend der Schadenstiefe
6. Oberflächenschutz: Risse schließen, Oberflächenschutz (OS-Klasse je nach Exposition) auftragen – verhindert den erneuten Eintrag von Chloriden und Feuchtigkeit
7. Qualitätssicherung: Haftfestigkeitsprüfung, Dokumentation gemäß Instandsetzungskonzept
Derartige Schäden stellen eine ernst zu nehmende Beeinträchtigung der Tragfähigkeit dar und bedürfen einer umgehenden fachkundigen Begutachtung durch einen Sachverständigen sowie einer zeitnahen Instandsetzung nach aktuell gültiger Instandsetzungsrichtlinie (DAfStb-Richtlinie).
Hinweis

